Honorarempfehlungen

Richtwerte für die Kalkulation von Projekten und für Verhandlungen

Honorarempfehlungen des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte e.V.

Honorare selbstständiger Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker basieren nicht auf gesetzlichen oder mit Tarifpartnern ausgehandelten Festlegungen, sondern sind grundsätzlich frei verhandelbar. Der Deutsche Verband für Kunstgeschichte setzt sich mit den hier publizierten Empfehlungen dafür ein, dass bestimmte Mindeststandards selbstverständlich werden. Dies geschieht in der Hoffnung, dass alle in der Kultur- und Kreativwirtschaft Tätigen untereinander solidarisch agieren und gemeinsam dafür Sorge tragen, dass weder Angestellte noch Selbstständige in prekären Verhältnissen leben müssen (weitere Formen wie „unständig“ oder „hybrid“ Arbeitende eingeschlossen).

Die Grundlagen der Kalkulation machen wir detailliert und transparent nachvollziehbar.

Die hier veröffentlichten Zahlen können als Richtwerte sowohl in der Kalkulationsphase von Projekten als auch in der Verhandlungsphase eine Orientierung bieten – für Auftraggeber wie auch für Auftragnehmer.

Die Aktualisierung der Honorar­empfeh­lun­gen entstand in enger Ko­operation mit dem Bundes­verband frei­beruf­licher Kultur­wissen­schaftler (Stand: Oktober 2022). Die Empfehlungen für Texthonorare wurden 2025 von einer Gruppe selbstständiger Kunsthistorikerinnen des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte erarbeitet und ergänzen unsere Honorarempfehlungen.

Honorarzonen

Auf Basis der unten erläuterten Berechnungen gehen wir von einem durchschnittlichen Stundensatz von 75,00 Euro netto für wissenschaftliche und vergleichbare anspruchsvolle Tätigkeiten aus. Je nach Tätigkeit können die Honorarsätze höher oder niedriger ausfallen.

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70–90 € pro Stunde, netto

Für die Umsetzung von Konzeptionen siehe Honorarzone 3. Bei Weiterverwertungen von Konzepten fallen zusätzliche Kosten an. Fahrt- und Reisekosten sind gesondert zu vergüten.


Konzeptionelle Tätigkeiten / Management / Forschung

  • Management und Durchführung von Forschungsprojekten
  • Ausstellungskonzeption und ‑management
  • Konzeption und Management von Kunst- und Kulturprojekten
  • Konzeption von Vorträgen und Vermittlungsformaten
  • Konzeption von Lehrveranstaltungen und Workshops
  • Konzeption von Medienformaten (z. B. Podcasts, Videos, Audioguides)
  • Verfassen von Projektanträgen für Drittmittelakquise
  • Beratungstätigkeiten (z. B. Museums-, Medien-, Kultureventberatung)
  • Konzeption und Koordination von Publikationsprojekten (z. B. inhaltlicher Aufbau, Auswahl von Beitragenden, Text- und Bildredaktion)
  • Verfassen von Texten (z. B. Aufsätze, Katalogbeiträge, Ausstellungstexte, Texte für digitale und Printmedien)
  • Hausforschung und ‑dokumentation
  • Wissenschaftliche Recherchen (z. B. Archiv-, Schriftgut-, Bild-, Film-, Onlinerecherche)
  • Bestimmung und Taxierung von Kunst und Antiquitäten
  • Konzeption von Kommunikationsstrategien

2

50–80 € pro Stunde, netto

Fahrt- und Reise­kosten sind ge­son­dert zu ver­güten.


Ausführende Tätigkeiten

  • Literaturrecherchen
  • Lektorat
  • Öffentlichkeitsarbeit für Kulturprojekte
  • Inventarisierung von Kulturgütern
  • Archiv- und Depotbetreuung (z. B. für Sammlungen, Galerien, Ateliers)
  • Reiseorganisation (z. B. für Studienreisen, Exkursionen)

3

Pauschalen nach Aufwand und Zeit

Hier geht es allein um die Um­setzung bzw. An­wen­dung zu­vor kon­zi­pier­ter For­mate (siehe Ho­no­rar­zone 1).
Fahrt- und Reise­kosten sind ge­son­dert zu ver­güten.


Ver­mitt­lungs­for­ma­te

  • Einfache Standardführungen:
    Dauer 1 Stunde
    80–100 €
  • Durchführung von Führungen, Workshops und Vorträgen:
    Dauer 1,5–4 Stunden
    500–1.500 €
  • Durchführung von Studienreisen:
    Tagespauschale
    500–750 €
  • Wissenschaftliche Fachvorträge:
    Dauer 1–1,5 Stunden
    500–1.000 €
  • Honorare für Reden (z. B. Ausstellungseröffnung):
    Dauer 15–30 Minuten
    400–800 €
  • Moderation:
    Tagespauschale
    800–1500 €

 

Honorarempfehlungen für das Verfassen von kunsthistorischen Texten

Beim Publizieren besteht eine noch größere Diskrepanz zwischen den tatsächlich gezahlten Honoraren und den angemessenen Honoraren als bei anderen kunsthistorischen Dienstleistungen. Hierzu hat eine Gruppe selbstständiger Kunsthistorikerinnen des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte e.V. eigens Empfehlungen anhand von Beispielkalkulationen erarbeitet.

Weitere Formen der Vergütung

In den oben aufgeführten Honorarzonen werden einige Formen der Vergütung nicht berücksichtigt, weil sie entweder stärker in einen anderen beruflichen Bereich fallen (z. B. Journalismus) oder weil sich hier bislang kaum Standards herauskristallisiert haben (z. B. Lizenzmodelle, Provisionen, Abonnements).

Honorarzonen: Grundlagen der Kalkulation

Wir möchten transparent machen, wie wir die empfohlenen Honorarsätze ermittelt haben, damit deutlich wird, wie selbstständige Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker wirtschaften, um laufende Kosten zu decken und ihren Lebensunterhalt zu sichern. Wir gehen dabei von einer fiktiven freiberuflichen Kunsthistorikerin mit folgenden Eigenschaften aus:

  • es handelt sich um eine hauptberuflich selbstständige Kunsthistorikerin in Vollzeit, d. h. mit einer monatlichen Arbeitszeit von 174 Stunden (d. h. 40 Stunden pro Woche)
  • sie verfügt über einen Hochschulabschluss und einen Doktorgrad
  • sie hat bereits drei Jahre einschlägige Berufserfahrung
  • ihre Tätigkeit ist vergleichbar mit wissenschaftlicher Mitarbeit an öffentlichen Einrichtungen und sollte entsprechend vergütet werden
  • wir orientieren uns deshalb an der Entgeltgruppe 13 des öffentlichen Dienstes (Vollzeitstelle, Entgeltgruppe 13, Stufe 3 TVöD-Bund, Stand 2022, monatliche Arbeitgeberkosten ohne Kosten für Arbeitsplatz, Technik, Fortbildungen etc.: 5.900,00 Euro, monatliches Bruttogehalt: 4.900,00 Euro, monatliches Arbeitnehmernetto: 2.800,00 Euro)
  • wie bei Angestellten (mit Entgeltgruppe 13 TVöD-Bund) sollen am Monatsende 2.800,00 Euro übrig bleiben

Errechnung des notwendigen Umsatzes

Vom Umsatz der Selbstständigen müssen in der Regel folgende Ausgaben finanziert werden:

  • Krankenversicherung mit Krankengeld (ca. 750,00 Euro monatlich, gesetzliche Pflicht)
  • Pflegeversicherung (ca. 150,00 Euro monatlich, gesetzliche Pflicht)
  • Einkommensteuer (ca. 870,00 Euro monatlich, gesetzliche Pflicht)
  • Büromiete, Arbeitsmittel und Fahrtkosten für Akquise (ca. 450,00 Euro monatlich)
  • Fortbildungen und Mitgliedschaften in Berufs- und Fachverbänden (ca. 30,00 Euro monatlich)
  • betriebliche Steuerberatung / Buchhaltung (ca. 70,00 Euro monatlich)
  • Rentenversicherung (ca. 150,00 Euro monatlich)
  • Berufshaftpflichtversicherung (ca. 50,00 Euro monatlich)
  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung (ca. 50,00 Euro monatlich)
  • Berufsunfähigkeitsversicherung (ca. 50,00 Euro monatlich)
  • Erwerbslosenversicherung (ca. 80,00 Euro monatlich)
  • Kirchensteuer (ca. 80,00 Euro monatlich, nur bei Kirchenzugehörigkeit)

Summe der monatlichen Ausgaben: ca. 2.800,00 Euro

Daraus ergibt sich der folgende notwendige monatliche Umsatz, um die monatlichen Ausgaben und die monatlichen Lebenshaltungskosten zu finanzieren: ca. 5.600,00 Euro (2.800,00 + 2.800,00 = 5.600,00).

„Produktive“ und „indirekt produktive“ Arbeitszeit

Wenn alle Arbeitsstunden tatsächlich vergütet würden, so würde ein Stundensatz von rund 32,00 Euro genügen, um die o. g. Kosten zu finanzieren (5.600,00 : 174 = 32,18). Nun muss aber davon ausgegangen werden, dass die Selbstständigen neben der eigentlichen Arbeit im Projekt oder am Auftrag („produktive“ Arbeitszeit) auch noch andere Aufgaben erfüllen müssen, um erfolgreich wirtschaften zu können („indirekt produktive“ Arbeitszeit). Auch müssen mögliche Krankheits- und Erholungszeiten (Urlaub) eingerechnet werden, um die Vergleichbarkeit mit Angestellten zu erreichen. Wir ziehen deshalb folgende „indirekt produktive“ Arbeitszeiten ab:

  • Urlaub, Feiertage, Krankentage, ausgehend vom Durchschnitt der Angestellten in Deutschland (35 Stunden pro Monat)
  • Akquise (20 Stunden pro Monat)
  • Entwicklung neuer Produkte und Konzepte (12 Stunden pro Monat)
  • Werbung und Öffentlichkeitsarbeit (16 Stunden pro Monat)
  • Verwaltung und Bürotätigkeit (16 Stunden pro Monat)

Summe „indirekt produktiver“ Arbeitszeit pro Monat: 99 Stunden (inkl. Urlaub, Feiertage, Krankheit)
Summe „produktiver“ Arbeitszeit pro Monat: 75 Stunden
Summe Arbeitszeit pro Monat: 99 Stunden + 75 Stunden = 174 Stunden

Der Umsatz wird jedoch allein durch die „produktive“ Arbeitszeit erwirtschaftet. Das bedeutet, dass der anvisierte Umsatz von 5.600,00 Euro pro Monat durch lediglich 75 Stunden „produktive“ Arbeitszeit pro Monat finanziert werden muss. Daraus folgt ein notwendiger Stundensatz von rund 75,00 Euro netto, d. h. ohne Mehrwertsteuer (5.600,00 : 75 = 74,66).

Notwendiger durchschnittlicher Stundensatz (netto, d. h. ohne Umsatzsteuer) für selbstständige Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker: 75,00 Euro.

Um ein mit Angestellten im öffentlichen Dienst vergleichbares Einkommen zu erzielen, müssen selbstständige Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker also im Durchschnitt 75,00 Euro netto pro Stunde verdienen. Bei Mehrwertsteuerpflichtigen sind derzeit zusätzlich 19 % Mehrwertsteuer zu bezahlen, d. h. ein Stundensatz von rund 89,00 Euro (75 x 1,19 = 89,25).

Empfehlungen für Texthonorare

Kunsthistorische Texte und kunsthistorische Publikationsprojekte sind äußerst vielfältig und sprechen ein heterogenes Publikum an. Zu den Dienstleistungen von Selbstständigen gehören etwa wissenschaftliche Aufsätze in Fachzeitschriften, Sammelbänden und Katalogen sowie Kunstkritiken, Katalogtexte, Wandtexte, PR-Texte, Drittmittelanträge, verschriftliche Interviews und Gespräche, Direktaufträge für Künstlerinnen und Künstler oder Galerien, Skripte für Podcasts und Dokumentarfilme, Übersetzungen in Leichte und Einfache Sprache sowie in/aus Fremdsprachen und vieles mehr. Aus diesem Spektrum greifen wir zwei unterschiedliche Beispiele heraus, um möglichst konkret zu machen, wie eine angemessene Vergütung zu ermitteln ist.

Texthonorare: Beispielkalkulationen

Neben dem eigentlichen Schreiben umfasst das Publizieren eine Vielzahl von Aufgaben, die in der Regel zu einem Auftrag an selbstständige Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker dazu gehören, deren Vergütung jedoch hin und wieder aus dem Blick gerät. Zu diesen Aufgaben gehören insbesondere:

  • Absprachen zur Art der Publikation, zur Vergütung und zu den Nutzungsrechten für die Auftraggebenden
  • Recherche (ggf. zusätzliche Fahrtkosten)
  • Atelier- oder Ausstellungsbesuche (ggf. zusätzliche Fahrtkosten)
  • Konzeption des Textes
  • Absprachen mit Auftraggebenden (ggf. zusätzliche Fahrtkosten)
  • Verfassen des Textes
  • Anpassung der Textlänge
  • Übersetzungen (z. B. bei in Fremdsprache geführten Interviews)
  • Erstellung eines Stylesheets
  • Lektorat bzw. Absprachen mit externem Fachlektorat
  • Korrektur bzw. Absprachen mit externem Korrektorat
  • Vorbereitung von Textdateien für den Satz/Druck (ggf. Anpassung an ein Reihenlayout)
  • Recherche von Abbildungen (ggf. inkl. Beschaffung von Vorlagen und Klärung von Nutzungsrechten und deren Gebühren)
  • Bildredaktion (ggf. inkl. Erstellung des Bildnachweises)
  • Layoutkontrolle

Für die Kalkulationen gehen wir von einer Normseite aus, die die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) definiert als Text im Umfang von 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen. Für eine Arbeitsstunde setzen wir 70,00 Euro (Honorarzone 1) bzw. 50,00 Euro (Honorarzone 2) an (vgl. oben). Aspekte wie Auflagenhöhe, geografische Verbreitung der Texte oder Erst-, Zweit- und Exklusivnutzung durch die Auftraggebenden werden hier nicht einbezogen, müssen aber vertraglich gesondert geregelt werden und in angemessener Form zusätzlich in die Vergütung einfließen.

Beispiel 1
Pressetext

Umfang: 3.500 Zeichen inkl. Leerzeichen = 2,3 Normseiten
Vorausgesetzt ist die gebündelte Bereitstellung aller notwendigen Informationen seitens der Auftraggebenden.

  • Vorbesprechung mit Auftraggebenden:
    1 Stunde à 70,00 EUR
  • Recherche, Sondierung des Themas:
    4 Stunden à 50,00 EUR (= 200,00 EUR)
  • Texterstellung:
    4 Stunden à 70,00 EUR (= 280,00 EUR)
  • Korrekturrunde:
    1 Stunde à 50,00 EUR

Daraus ergibt sich folgendes Honorar netto gesamt: 600,00 EUR.

Beispiel 2
Wissenschaftlicher Text über das jüngste Œuvre einer zeitgenössischen Künstlerin

Umfang: 30.000 Zeichen inkl. Leerzeichen = 20 Normseiten

  • Konzeptionstreffen mit Auftraggebenden:
    3 Stunden à 70,00 EUR (=210,00 EUR)
  • Fahrtkosten Konzeptionstreffen:
    200 km, à 0,20 EUR (=40,00 EUR)
  • Konzipieren des Textes:
    4 Stunden à 70,00 EUR (=280,00 EUR)
  • Absprachen über das Konzept:
    1 Stunde à 70,00 EUR
  • Recherche, Atelierbesuche:
    24 Stunden à 50,00 EUR (=1.200,00 EUR)
  • Verfassen des Textes:
    6 x 4 Stunden à 70,00 EUR  (=1.680,00 EUR)
  • Absprachen zu Abbildungen, Beschaffung von Druckvorlagen:
    2 Stunden à 50,00 EUR  (=100,00 EUR)
  • Erste Korrekturrunde mit Künstlerin und Gestaltungsbüro:
    5 Stunden à 50,00 EUR  (=250,00 EUR)
  • Zweite Korrekturrunde mit Künstlerin und Gestaltungsbüro:
    3 Stunden à 50,00 EUR  (=150,00 EUR)
  • Endkontrolle und Freigabe:
    2 Stunden à 50,00 EUR (=100,00 EUR)
  • Verbrauchsmaterial (Druckerpatronen, Papier etc.):
    20,00 EUR

Daraus ergibt sich folgendes Honorar netto gesamt: 4.100,00 EUR.

Weiterführende Informationen zur Honorarkalkulation

Titelbild: 8Nppe0yLmn8 von omid armin über Unsplash